Die Geschichte unseres Glockenwechsels
Damit Sie nachvollziehen können, was der Grund für den Glockenwechsel war und ist, sowie die zum Teil zeitraubenden Schritte bis heute, soll hier zusammengefasst eine Chronologie der Abläufe dargestellt werden.
Unsere Gustav-Adolf-Kirche wurde in den Jahren 1934 bis 1936 erbaut. Aus dieser Zeit stammen auch unsere Glocken. Es handelt sich um ein „Eisenhartguss-Geläut“. Und genau dies war und ist das Problem! Anlässlich von Wartungsarbeiten wurde festgestellt, dass die Lager und die Aufhängungen der Glocken ausgetauscht werden sollten. Dies hat uns noch nicht weiter beunruhigt. Es hat sich darüber hinaus aber gezeigt: Eisenhartguss-Glocken haben eine „Lebenserwartung“ von etwa 80 Jahren. Der Grund: Für den Guss von Eisenglocken wird etwas härteres Eisen verwendet als bei einem sonstigen Guss (daher der Name „Eisenhartguss“). Erst dadurch kann die Glocke klingen. Der Nachteil: Die Glocke erhält beim Guss eine „poröse Substanz“. Das heißt: Im Glockenkörper befinden sich mehr oder weniger große Hohlräume. Diese korrodieren (rosten) im Lauf der Zeit. Wenn dies - wie bei unseren Glocken - an der Oberfläche zu erkennen ist, kann man auf den Zustand im Inneren der Glocke schließen. Die Glocke ist dann nicht reparabel und hat ihre begrenzte Lebensdauer erreicht.
Das Alter unserer Glocken und die bereits erkennbaren Schäden ließen nur folgende Schlüsse zu: Die am stärksten betroffene Glocke wird aus Gründen der Sicherheit nicht mehr geläutet. Und: Wir brauchen andere Glocken für unsere Kirche.
Aus diesem Grund haben wir Angebote von Glockengießern eingeholt. Dabei haben wir lernen müssen, dass Glocken schon lange nicht mehr so aufgehängt werden, wie dies bei unseren Glocken heute der Fall ist. Daher die Frage: Wie wirkt sich dies auf unseren Glockenstuhl und unseren Turm in der Statik aus? Untersuchungen durch entsprechende Fachfirmen waren die notwendige Folge. Drei Ergebnisse mussten wir zur Kenntnis nehmen. Der Kirchturm ist stabil genug - der Glockenstuhl ist auf die andersartige Aufhängung anzupassen - es gibt Schäden an den Balken im Dachstuhl.
Während dieser Zeit haben wir erfahren, dass eine evangelische Kirche im Raum Düsseldorf „profaniert“ worden ist. Das heißt, dass von der Kirche viele Dinge veräußert werden, unter anderem auch deren dreistimmiges Geläut. Diese Glocken wurden 1966 gegossen, und zwar aus Bronze. Nach Kontaktaufnahme mit der betreffenden Gemeinde, der Heilig-Geist-Kirche in Urdenbach, wurden wir schließlich auch handelseinig.
Doch halt! In einem Fall wie dem unseren muss die Maßnahme bei der Evangelischen Landeskirche in Bayern beantragt und von dort genehmigt werden. Auch die Evangelische Kirche im Rheinland musste ihr Einverständnis zum Verkauf geben. Beides haben wir bekommen.
Mit dem Kauf der Glocken von der Heilig-Geist-Kirche wollten wir ein Zeichen der Nachhaltigkeit geben. Die Glocken wurden bereits gegossen und geweiht, sie haben viele Jahre bereits ihren Dienst erbracht. Warum sollten sie im schlimmsten Fall eingeschmolzen werden und wir lassen für uns neue Glocken gießen? Außerdem hat dieses Geläut, welches - im Gegensatz zu heute - eine Stimmung, welche genau zu den Glocken von Maria Ramersdorf, unserer Nachbargemeinde, passt. Ein gutes Zeichen ökumenischer Partnerschaft!
Da wir noch mit den organisatorischen Vorbereitungen beschäftigt waren, haben die drei Glocken, zusammen mit weiteren Glocken, kurzfristig noch einen „Ausflug“ als Teil einer Kunstinstallation zum Kunsthaus in Zürich unternommen. Das hat ihnen aber nicht geschadet!
Aber: Alle diese Schritte haben viel Zeit in Anspruch genommen! Unser Plan, unser Wunsch, unsere Vision, dass die Glocken zu Weihnachten erstmals bei uns läuten könnten, konnte nicht realisiert werden. Die Termine dafür waren zu knapp geworden.
Doch dann kam eine neue Hiobs-Botschaft! Die Glocken waren zwischenzeitlich bei „unserem“ Glockengießer, der Firma Perner in Passau, eingetroffen. Während die kleine und die mittlere Glocke lediglich oberflächlich „gealtert“ sind, hat die große Glocke einen größeren Gussfehler, welcher seit ihrem Anfang besteht. Zwei Mitglieder unseres Glockenrats, gemeinsam mit unserem Glockensachverständigen, haben bei der Firma Perner den Zustand in Augenschein genommen. Es zeigte sich, dass die Entscheidung schwierig werden sollte: Kann und soll die Glocke in diesem Zustand bei uns mit diesem Makel aufgehängt werden oder nicht?
Zum Verständnis: Bei jedem Guss einer Glocke kann es vorkommen, dass Teile der Lehmform sich lösen und sich dann im Glockenkörper befinden. Ob dieser Umstand für die weitere Nutzung bedenklich oder gar gefährlich sein könnte, ist in jedem Einzelfall zu entscheiden.
Für den Glockenrat und den Kirchenvorstand stellte sich die Frage: Können und wollen wir für die Zukunft das Risiko eingehen, dass die Glocke durch das andere Schwingungsverhalten in unserem Turm als bisher in Heilig-Geist zu einem späteren Zeitpunkt doch noch ersetzt werden muss? Oder soll die Glocke neu - und hoffentlich ohne Gussfehler - gegossen werden? Wir haben uns für den Neu-Guss entschieden!
Trotzdem sehen wir unseren Wunsch der Nachhaltigkeit weiter erfüllt.
- Die „alte“ Glocke wird eingeschmolzen und die Bronze für die „neue“ Glocke verwendet.
- Die Inschrift der „alten“ Glocke mit dem Bibelzitat wird auf die „neue“ Glocke übernommen.
- Damit ist die „Einheit“ des bisherigen Geläuts wiederhergestellt, soweit dies unter den gegebenen Umständen machbar wurde.
Bei einem Projekt in dieser finanziellen Größenordnung ist vorgeschrieben, dass die Projektleitung bei dem für uns zuständigen Kirchenbauamt liegt. Auch wenn von dieser Stelle wesentliche Aufgaben für uns erledigt werden, so bedingt dies auch immer wieder zusätzlichen Abstimmungsaufwand.
Viel Zeit musste bis jetzt aufgewendet werden. Und trotzdem haben wir den Wunsch und die berechtigte Hoffnung, dass die Glocken Ende März bei uns einziehen werden und am Ostersonntag das erste Mal von unserem Turm erklingen werden.
Ab dem 7. März werden die Handwerker mit den notwendigen Vorarbeiten beginnen, damit die Einholung der Glocken am 26. März 2022 erfolgen kann. Daran schließen sich noch einmal notwendige Handwerker-Arbeiten an.
Der Ablauf der Glockeneinholung und der Glockenweihe wird noch rechtzeitig bekannt gegeben.
Ich bedanke mich im Namen des Kirchenvorstands und des Glockenrats bei allen Menschen, welche durch ihre Spenden zum Gelingen dieses Projekts beigetragen haben! Ich bedanke mich auch für den Zuspruch, den wir immer wieder erhalten haben, wenn der Mut uns zu verlassen drohte! Und ich freue mich bereits auf das erste feierliche Erklingen der Glocken. Schließlich erlebt man ein solches Ereignis in seiner Gemeinde wohl nur einmal - oder vielleicht gar nie!
Für den Kirchenvorstand
und den Glockenrat
Norbert Pietsch